Endurance Life Dorset

Coastal Series

Die Rennen der Coastal Series von Endurance Life haben uns schon lange interessiert. Von Oktober bis April gibt es Events entlang der Küste mit Strecken von 10k bis hin zu Ultramarathons. In der Jahresplanung war der November passend und das Rennen in Dorset entlang der Jurassic Coast sah fantastisch aus. Mit 5 Punkten für Terrain, Schwierigkeit und Anspruch eines der härteren Rennen der Serie. Also das richtige als Jahresabschluss für uns laufSinn-Kern-Rabauken. Marathon oder Ultra? Nach ein bisschen Diskussion fiel die Wahl auf den Marathon, schliesslich sollte unser verlängertes Wochenende in Südengland nach dem vollen Jahr auch etwas wie Urlaub werden!

Im Verlauf des Sommers haben wir uns mehr mit dem Lauf beschäftigt …. Marathon hiess 45km und 2500 Höhenmeter. Uff. Das Wochenende davor noch der SwimRun auf Malta (ja genau – volle Sportdekadenz!). Mmmh. Der Halbmarathon sollte immerhin 28km und 1500 Höhenmeter aufweisen – ist doch auch nicht schlecht. Andreas, Christine und Barbara schrieben eine „we want to downgrade“ Mail an die Veranstalter, Michael zögerte noch. Aber dann waren wir doch alle vier beim Halbmarathon gemeldet. Und sollten es nicht bereuen.

November in England

So flogen wir Ende November nach Bristol, Michael fuhr uns tapfer im Linksverkehr nach West Lulworth. Auf dem Weg dahin besuchten wir noch die Cheddar Gorge, Englands längste Felsschlucht, und den berühmten Glastonbury Tor. Falls jemand denkt, Südengland wäre flach, irrt sich gewaltig. Es sind nur kleinere Hügel, aber jede Menge giftige Höhenmeter sammeln, ist hier kein Problem! Das Wetter – blauer Himmel, Sonne, aber jede Menge Wind. Weiter Richtung Süden schiebt sich eine gewaltige Wolkenwand ins Land. Hoffentlich bleibt es morgen trocken!

Lulworth

Die Startnummernausgabe. Sehr besonders für uns, aber wahrscheinlich typisch britisch. Wir machten uns in der Dunkelheit von unserem Hotel (Castle Inn in West Lulworth) auf den kurzen Weg nach Lulworth Cove. Dort stand ein beleuchteter Kastenwagen auf einem dunklen Parkplatz, immerhin eine Flagge von Endurance Life daneben. Name, welche Startnummer laut Liste? Hier die Bib und ein Gel. Fertig. Aha. Also nach kürzester Zeit wieder im Pub unserer Unterkunft gelandet. Cider ist lecker.

Am nächsten Morgen Wind, aber kein Regen. Und wir haben jede Menge Zeit für‘s Frühstück. Start ist ab 10 Uhr – wer gewinnen will, muss pünktlich starten, alle anderen können, wann immer sie wollen, auf die Strecke gehen. Vorausgesetzt, man ist bis 16 Uhr wieder im Ziel. Der spätere fünfte der Gesamtwertung ist übrigens gemütlich erst um viertel nach elf gestartet. Wir latschen die knappen zwei Kilometer morgens zum Start. Auf einer zugigen, nein – eher sehr windigen – Wiese ist ein Flaggenfeld aufgebaut sowie zwei grosse Zelte. In einem findet das Briefing statt, im anderen ist eine kleine Expo sowie der Dropbag. Auch ein Streetfood Wagen ist da, aber jetzt einen Burger?

Windiger Start

Punkt 10 Uhr geht es los, zumindest für die meisten. Langgezogen über eine Weide, zwei oder drei Tore mit Schlamm davor und danach, bevor es in einer langgezogenen Kurve direkt an die Küste geht. Die Steilküste ist beeindruckend – genauso wie das Auf und Ab. Höhenmeter satt. Wenn es bergauf geht, geht es bergauf. Wenn bergab, dann bergab. Nichts mit smooth oder flowig, sondern rabiat und eindeutig. Wandern, springen, wandern, springen. Immer an der Steilküste entlang, mal auf Meeresniveau, mal sehr sehr deutlich darüber. Nach etwa 8km die erste Versorgungsstation. Gummibären, Wasser. Das war‘s. Wunderschöne Trails an der Küste entlang. Blühende Ginstersträucher. Meer, Wellen und sehr sehr viel Wind. Und immer wieder dieses Panorama mit den Kreideklippen. Steile Aufstiege mit fast verfallenen Treppenstufen. Sehr steile, schier endlose Wiesenhänge bergab. Und das ist heute mein Ding. Bergauf werde ich überwandert, auf den wenigen laufbaren ebenen Abschnitten einfach überholt. Aber bergab ist meins. Downhill ist einfach geil. Das Profil meines inov-8 beisst sich einfach perfekt in den Boden. Wenn es runter geht, fliege ich gefühlt an allen vorbei. Geil, geil, geil – macht das Laune.

Gummibärchen und Ingwerkekse

Eine weitere Verpflegung an der Lulworth Cove, einer wunderschönen Bucht. Gummibärchen, Ingwerkekse, Kartoffelchips und Wasser. Weiter bergab und bergauf an der Küste entlang. Und immer Wind und Wellen und Ginster. Dritte Versorgung, danach tatsächlich zwei einigermassen ebene Kilometer ein Stück ins Landesinnere. Rechts und links gelbe Pfosten. Wir laufen durch oder entlang eines militärischen Sperrgebiets. „Sudden Gunfire“, „military firing area“. Okay, okay – ich bleibe auf dem Weg.

Auf den Begegnungstrecken kommen uns Läufer entgegen. Blaue Startnummern, also Halbmarathonis wie wir. Einige sind wohl tatsächlich mit uns gestartet und brauchen etwas länger. Andere sind ganz klar einfach sehr gute Läufer, denen das Zeitfenster auch bei einem gemütlichen Start um die Mittagszeit reicht. Aber auch die schwarzen, lilafarbenen und grünen Startnummern der Marathonis und Ultras sind immer wieder zu sehen. Wow – mir reicht der Halbmarathon voll und ganz. Und bereue den Downgrade ganz und gar nicht. Die steilen Aufstiege werden zäh. Und wieder führt uns die Strecke runter bis ans Meer. Im tiefen Kies queren wir die Lulworth Cove. Es bleiben noch etwa 2,5 Kilometer und nicht ganz 200 Höhenmeter. Die tun jetzt dann doch weh. Zumal im letzten Aufstieg der Wind noch einmal volle Kanne von vorne kommt. Chillfaktor – es ist einfach kalt jetzt.

Im Ziel des Endurance Life Dorset

Nach 4:23 überqueren wir die Ziellinie. Durchgeblasen und müde. Der Sieger des Halbmarathon hat dieses Jahr 2:40 gebraucht, der letzte Teilnehmer kam nach 6 Stunden rein. Im Ziel alles sehr spartanisch. Congrats, good job, hier hast einen Riegel. Der Burgerwagen steht immer noch da, aber wir haben kein Geld dabei. Der Wind macht es nicht gemütlicher. Wir warten noch auf unsere Buddies und machen uns dann auf den windigen, kalten Rückweg zu unserem Castle Inn. Was freue ich mich auf eine heisse Dusche!!!

In England ist Trailrunning irgendwie anders. Irgendwie auch ambitioniert, irgendwie extrem stark, aber irgendwie auch viel relaxter. Die Strecken sind – sagen wir mal vorsichtig – sparsam markiert, die Versorgungsstellen ebenfalls eher sparsam bestückt. Zielverpflegung Fehlanzeige, Starterbeutel mit Goodies ebenso. Aber braucht man das denn, um einen geilen Lauf zu erleben? Nein, ganz und gar nicht. Landschaft, Streckenführung und Stimmung sind grossartig. Abends haben wir bei Cider und IPA die anderen Events der Serie mal genauer betrachtet – und ja, wir werden sicher wieder irgendwo im Starterfeld eines Endurance Life Rennens stehen.

Unsere Ausrüstung

Regenklamotten in England sind ein sicheres Muss – auch wenn wir „nur“ Wind hatten, gerade im Küstenbereich kann sich das schnell ändern. Die Briten selbst sehen das vielleicht anders. Während wir schön eingepackt in lange Hosen und lange Oberteile liefen, waren Splitshorts und Tanktops zu sehen, die aber wiederum kombiniert mit Handschuhen und dicken Mützen.

Die OMM Kamleika Regenjacke ist leicht, elastisch und natürlich auch winddicht. In perfekter Kombination mit der kurzen Regenhose über der langen Tight, um sich „untenrum“ schön warm zu halten. Schuhe – wir sind in UK und da wird natürlich inov-8 gelaufen! Mudclaw 300 (der geht jetzt in Rente…) und Mudclaw 260G.