100km del sahara - laufSinn

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100km del sahara

blogkram
Abendstimmung in der Wüste, 2010

sahara100k 2010

es regnet und es ist kalt. der kräftigste regen seit etwa 20 jahren soll das sein. wir liegen im schlafsack im zelt und beobachten, wie das wasser langsam durch das dach tröpfelt. auch das grosse zelt, treffpunkt aller läufer zum essen, hält nicht dicht. und überall ist sand.
sand im gesicht, ohren, nase zwischen den zehen, in der tasche im schlafsack.  einfach überall.

heute früh sind wir in ksar ghilane gestartet.
bereits nach 5 minuten war klar, dass die schuhwahl nicht so glücklich war. die düne auf und ab dringt mit jedem schritt neuer sand in den schuh. irgendwann ist so viel drin, dass er sich nicht mehr in die zehenkappe schieben lässt und anfängt unter dem ballen zu drücken.
auf einer grösseren anhöhe befindet sich ein erster checkpoint bei den resten eines französischen forts. kurz danach entferne ich zum ersten mal den sand aus meinem schuh. unmengen! hoffentlich geht das gut. das waren jetzt knappe 4 km. wenn es so weitergeht, muss ich das ja nur noch 4 oder 5 mal wiederholen. es geht weiter auf kleinen dünen. rauf runter, rauf, runter. sehr fordernd. vorallem für die sprunggelenke und die waden.
unter die sanddünen mischen sich jetzt immer wieder festere abschnitte, bis wir letztendlich auf einer piste landen. 20 meter oder mehr breit. steine und sand.
in weiten abständen kennzeichnen hohe beachflags den track. die neon-orangene farbe hebt sich super von dem beigen sand ab. einen offensichtlichen weg gibt es meistens nicht. orientierungsmässig ist hinterherlaufen bequem – jedoch ist der schon mehrfach aufgewühlte sand noch weicher und schwieriger zu laufen als der unberührte. die flags sind jedoch nur auf den dünenkämmen zu sehen, im tal verschwinden sie. zeitweise sind die nächsten 2 oder 3 flaggen zu sehen, dann wieder gar keine.
der wind kommt wieder auf und wird zunehmend stärker. unangenehm. auf den letzten 3 km geht’s wieder in den sand auf eine große düne. hier bläst einem der wind den sandstaub mit kraft ins gesicht. nur nicht den kopf nach oben nehmen – aber trotzdem die nächste flagge auf dem kürzesten weg anlaufen. die düne ist steil, in dem tiefen sand ist an laufen nicht mehr zu denken. je kräftiger man mit dem fuss abdrückt, desto tiefer sinkt man ein. in kammnähe wird der wind richtig unangenehm. aber von hier ist das camp bereits zu sehen. mit grossen schritten geht es hinab.
die erste etappe liegt hinter uns.

das camp ist im weiten rund aufgebaut. an einer seite die funktionszelte, sanität, küche, essensausgabe, grosses speisezelt. der restliche kreis besteht aus den teilnehmerzelten. traditionelle berberzelte – wollteppich über holzstangen mit ein bisschen abspannung. leider eine offene breitseite – also mehr wie ein grosser shelter. ein wassercontainer steht als dusche etwas ausserhalb.
im wind ist es ordentlich kalt, aber irgendwie sollte die salz-sand mischung vom körper, zumal ich mir die rechte achsel bereits wundgelaufen habe.
im camp werden jetzt gegen den sand geschlossene skibrillen getragen. sieht recht witzig aus.

Alles, was nicht sofort in einer geschlossenen tasche verstaut wird, ist in kürzester zeit von feinem sandstaub bedeckt. jede tasche, die auch nur  kurz geöffnet wird ist sofort mit sand kontaminiert. das eincremen nach der dusche wird zum sandpeeling. sand ist einfach überall. selbst beim essen. suppe geht gut, aber beim kauen der pasta ist das mahlende gefühl von sand zwischen den zähnen mit dabei. sand im auge mit den fingern zu entfernen, ist so sinnvoll wie mit schmirgelpapier.

jetzt fängt es auch noch zu regnen an. pfui teufel. der wind nimmt das zelt mehr oder weniger auseinander. mehrmals müssen wir nachspannen, einmal den mittelpfeiler neu einbringen. es ist kalt. der teppich als zeltdach hält das wasser nicht wirklich ab. in fleece und windjacke gehüllt flüchten wir ins grosse speisezelt.
pranzo. doch auch hier hält das zeltdach nicht lange und an mehreren stellen regnet es rein. letztendlich geben die berber noch plastikteppiche aus dem vorrat ab. die kann man vor die offene seite hängen und so zumindest den grössten teil regen und wind draussen zuhalten. gleich rein in die schlafsäcke und das unwetter aussitzen.
am frühen abend ist der ganze spuk schon wieder vorbei. blauer himmel wird frei und wir können noch kurz das licht-schattenspiel der untergehenden sonne auf den dünenkämmen geniessen. die ganze szenerie ist in reichlich unwirkliches licht getaucht. die sonne verschwindet mit einem violett-rosanem streifen am horizont. dann wird es sehr schnell dunkel. ohne stirnlampe ist jetzt nichts mehr zu sehen. später dann sagenhafter sternenhimmel. selten so intensiv leuchtende sterne gesehen.

am morgen weckruf mit khaled – aisha. dann frühstück, taschen packen und abgegeben, danach abliegen. ohne schlafsack und warmen pullover ist es aber noch sehr frisch. eine stunde später starten die walker, eine weitere stunde später wir. immer noch recht frisch, ausserdem geht eine ordentliche brise. heute geht es aber einfacher los. eine knappe halbe stunde durch minidünen, als wir dann eine oft überwehte piste erreichen, ist es schon warm. die sonne strahlt vom himmel, der wind hat sich gelegt. jetzt einige km auf der piste entlang. die getränkestation mit iso verschafft mir ein zwischenhoch.
ich laufe auf dave, später auch noch auf fritz auf. jetzt geht es wieder in ein minidünenfeld hinein. nicht einfach. es ist schwer hier einen rhythmus zu finden. immer wieder ist zu entscheiden: die nächste 2 meter düne überlaufen, oder lieber doch aussenrum, gibt es irgendwo zusammenhängendes laufgelände, oder doch einfach nur den kürzesten weg zur nächsten flagge anpeilen? barbara schliesst wieder zu mir auf und wir holen im schlussabstieg aus den dünen noch ein paar läufer ein.
unnötigerweise schiebe ich mir noch 500m vor dem ziel ein gel rein. der lauf hat keinerlei km-angaben auf der strecke. lediglich die position des wasserstation ist bekannt. wasser bei km 9. rest 7. hier in der wüste fehlt mir aber jegliches gefühl für entfernung. nach der zeit kann man kaum gehen. zu unterschiedlich ist die bodenbeschaffenheit. auf fester piste kommt man deutlich besser voran, als auf versandeter, oder gar in den dünen, wo teilweise gehen angesagt ist. letztendlich nehme ich einige zeit nach der wasserstelle am fusse einer grossen düne ein gel, um nur minuten später beim erklimmen des kammes etwas unterhalb auf der anderen seite den zielbogen zu sehen.


camp
duschen, füsse verarzten, wunde stellen abkleben, schuhe entsanden und richten, dann endlich mittagessen. danach? abliegen, kleiner spaziergang, kaffe und kuchen, abliegen, warten aufs abendessen, shirt und socken, gels, usw. für morgen bereitlegen, dann ist es auch schon dunkel, warten auf das abendessen. so bleibt aber auch jede menge zeit zur erholung und zum fachsimpeln mit anderen, viel zeit um neue freundschaften zu schliessen oder bestehende zu pflegen.

hier im camp gibt es pasta, suppe, salat, secondo und verschiedene gemüse zur auswahl,  rotwein! luxus!  sogar eine ladestation für handys und gps-geräte. unglaublich. trotzdem ist das naturerlebnis sehr direkt und intensiv. im baumwollzelt im sturm zu liegen macht einem die verwundbarkeit eindringlich deutlich. man ist hier wind und wetter anders ausgesetzt als in den alpen. dort gibt es felsbrocken, schatten. eventuell schneereste als wasserreserve, kraut und wurzeln. die wüste erscheint uns deutlich lebensfeindlicher. aber darum auch um so faszinierender.

morgens und nach dem frühstück setzt ein seltsamer herdentrieb ein. sternförmig verlassen die läufer das camp, um eine mittelgrosse düne oder wenn vorhanden einen strauch zu finden. die toilette ist überall in der wüste, nur ist die sitzhocke nach ein paar km laufen nicht mehr ganz so angenehm.

100km del sahara wc

die nacht war arschkalt und zugig.  ich lag auf der aussenseite unseres shelters. zum glück hatte ich den seidenschlafsack dabei, dessen kapuze liess sich bis über den kopf ziehen. morgens, wenn die sonne kommt, dauert es jetzt im märz noch relativ lange, bis die luft sich erwärmt.

es kommt der tag. der marathontag. wenn man den gut durchkommt, ist das rennen so gut wie geschafft. die übrigen 23k werden so irgendwie gehen. zur not gewalked. jedenfalls gibt der marathon genügend gesprächsstoff. befürchtungen. taktiken, tipps alles will ausgetauscht werden.


marathontag
heute insgesamt 4 startgruppen. walker, langsam, schneller, noch schneller. jeweils im abstand von 1 stunde. wir sind froh noch in der ersten läufergruppe starten zu können. so können wir noch die morgendliche kühle beim laufen ausnützen, denn es scheint heute ein sonniger tag zu werden. gleich am anfang geht es noch über mittelkleine dünen. sand! dann eine piste, die bald in einen wunderbaren hohlwegartigen sandweg übergeht. in kurven erklimmen wir eine anhöhe und laufen an deren rand entlang.
erste verpflegungsstation. ich habe noch genügend wasser, so nehme ich nur etwas iso und ein paar datteln. wir treffen auf eine grössere piste, die entlang einer erdgas pipeline verläuft. jetzt geht es etwas stupid einige km geradeaus leicht bergauf an dieser entlang. zum teil übel zu laufendes waschbrett am boden und erstaunlicherweise verkehr. 2 oder 3 lkw sowie ein paar geländewagen  teilen sich die strasse mit uns.
die sonne macht sich bemerkbar. wir verlassen die piste und laufen mehr oder weniger querbeet über recht festen mit reichlich gestrüpp durchsetzten boden. es wird heiss. wir brauchen immer mehr wasser. auf einer schmalen piste erreichen wir die zweite verpflegung bei km 33. auffüllen!
die hüften schmerzen mittlerweile ordentlich und ich nehme mir vor, die weiteren läufe für dieses jahr zu stornieren.
und gleich weiter. die piste wird zunehmend sandiger, um auf den letzten kilometern vor dem ziel noch mal in eine dünenlandschaft überzugehen.
auch das wäre geschafft.
abends zum cena wird sogar sekt gereicht. stilecht mit plastikkelchen! wir sind halt mit einer italienischen agentur unterwegs.


nochmal 23k
heute ist es schon am morgen strahlend. wir hängen im schutz unseres zeltes ab. diesmal um der direkten sonne zu entgehen.
das briefing wie immer kurz. „erst sand, dann etwas piste, zum schluss dünen. wasser bei km 10“
schwierig, die richtige spur zu finden. oft sinkt man weich ein oder der boden gibt im abdruck nach. so kommt man nur schwerlich in einen laufrhythmus. weite strecken kann man in direkter linie zwischen den flags weglos zurücklegen. ich schwitze bereits kurz nach dem start wie ein schwein. ich versuche regelmässig kleine schlucke wasser zu mir zunehmen und nehme auch gleich eine salztablette. wir überqueren eine kurze chott ähnliche strecke. hier gab's wohl mal wasser. übrig ist nur eine steinharte salzkruste.
für heute habe ich meinen wasservorrat zu eng bemessen. also an der versorgung auffüllen und iso trinken. aber das wird erst noch angerührt. ich vertreibe mir die zeit mit ein paar datteln, endlich geht es weiter. von hier folgen wir einer schönen, weichen piste. am pistenrand grasen (wie sagt man in der wüste dazu) dromedare an ein paar ginsterbüschen, die sich von uns auch nicht weiter stören lassen. endlich komm ich ins laufen. aber leider verlassen wir den weg viel zu früh. ab in die dünen. sand! die nächsten 3-4 flags ziehen auf eine große düne hinauf. das wird hart. zur sicherheit gehe ich. der kamm rückt langsam näher, dahinter erwarte ich eigentlich nur noch den abstieg. aber der kamm gibt nur den blick auf ein anhaltendes dünenmeer frei. das wird wirklich nochmal hart. erstmal ein paar datteln aus dem vorrat und auf geht's. die weichen dünenhänge gehe ich hoch, die festeren sowie die täler oder einfach nur hügelab wird gelaufen. d.h. alle 10-15 meter die gangart wechseln. das ist zwar anstrengend, aber letztendlich energiesparender als sich durch den sand zu wühlen. hier ist jetzt auch ein findiges auge gefragt. die zielrichtung auf die nächste flagge


 
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